Lehre & Beziehungen

Lehre ist nicht unser König

Wir leben im digitalen Informationszeitalter, Wissen ist auf Knopfdruck für jedermann verfügbar. Das gilt nicht nur für weltliches Wissen sondern ebenso für biblische oder kirchliche Lehre. Wir haben eine große Fülle ausgezeichneter Prediger, einige christliche TV- und Radio-Programme und eine Vielzahl christlicher Internetseiten, die uns über Gott, die Bibel und Theologie lehren können.

Und doch ist es unser Eindruck, dass die Verbindung zu Gott selten so schwach war wie heute. Selbst unter den ständigen Kirchgängern erleben wir, dass eine große Zahl der Gläubigen bei der Predigt am liebsten einschlafen wollte oder sich kaum etwas praktisch für den Alltag mitnehmen kann, das über den Sonntag hinausreicht.

Unsere Überzeugung ist es, dass dies nicht an einem Defizit an Lehre liegt. Das hat ihren Grund auch nicht zwingend in der Art und Weise, wie diese Lehre verkauft wird, oder an den Qualitäten des Predigers. Unsere Erfahrung ist: Es liegt am Mangel echter Beziehungen, Beziehungen der Gläubigen untereinander und letztendlich auch an einem Mangel an Beziehung mit Gott. Gottes Wort kann nicht durchdringen, wo keine tiefen Beziehungen gepflegt werden.

Aus diesem Grund denken wir, dass die Lehre in ihrer Priorität einen Schritt zurück treten muss. In der Reformation hatte die Predigt angesichts falscher Lehren wie des Ablasshandels eine herausragende Stellung einnehmen müssen. Das prägt die meisten nicht-katholischen, nicht-orthodoxen Kirchen bis heute. Jetzt muss die Predigt allerdings wieder auf ein etwas geringeres Maß zurechtgestutzt werden und vor allem lernen, wann die rechte Zeit für sie gekommen ist. Denn alles hat seine Zeit. Das Wort Gottes braucht einen fruchtbaren, vorbereiteten Boden, um Früchte hervorbringen zu können. Zur Zeit Luthers war der Boden bereit, die Menschen hungerten danach endlich die Bibel auf Deutsch hören zu dürfen.

Heute fehlt es den Menschen dagegen nicht an Informationen, sondern aneinander. Beziehungen öffnen unser Herz … nicht abstrakte Worte oder Ideen. Beziehungen sind DER sichtbare Ausdruck lebendigen Evangeliums (Joh. 13,35). Wer glaubt schon eine frohe Botschaft, wenn es kein fröhliches Miteinander gibt!

Wir erleben im w2o3, welche Wirkung es entfalten kann, nicht nur permanent zu belehren, sondern den anderen als Menschen ernst zu nehmen, sich gegenseitig zuzuhören, einander zu ermutigen und im Alltag einfach füreinander da zu sein.

Jede Lehre muss darum warten bis ihre Zeit gekommen ist…„Redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Gnade bringe denen, die es hören.“ (Eph. 4,29)

3 Kommentare in “Lehre & Beziehungen

  1. Ingrid Gohla sagt:

    Liebe Geschwister, ich kenne Lk 10 jetzt seit 2 1/2 Jahren. Ich sehe die guten Aspekte wie eben diesen beziehungsfördernden Austausch (Einsteigen), vermisse aber ein “ Wachstum an geistlicher Reife „, nicht
    zuletzt durch den Mangel an Lehre. Der Glaube kommt nun mal aus dem Hören des Wortes Gottes (Rö 10, 17). Jesus selbst gab uns den Auftrag der
    Jüngerschaft Matth 28, 18-20. Dazu gehört auch das Lehren, wie ein Jünger die Worte Jesu befolgen kann. Und wie man wiederum neue Menschen für
    das Reich Gottes gewinnen kann. Unterbleibt dieses, können die Treffen leicht zu einem Kreisen um die persönlichen Anliegen werden. Aber dafür ist Gemeinde nicht da. Wir dürfen nicht stehen bleiben bei dem ach so schönen Miteinander. Sonst unterscheiden wir uns nicht von einem netten Verein in der Welt. … Gemeinsames Bibelstudium (z B Entdeckerbibelstudium) wäre ein gutes Tool.

  2. Ulrich Fabian sagt:

    Danke dafür. Ihr trefft den Nagel auf den Kopf! Uns geht es ähnlich und wir haben das gleiche Anliegen. Herzliche Grüße U. F.

    1. Heidi sagt:

      Hallo, lieber Ulrich!

      Schön, von dir zu lesen! Ja, immer mehr Christen empfinden das so wie Ihr und wir… Zeit etwas zu ändern. Neuer Wein braucht neue Schläuche. Liebe Grüße zurück! Heidi

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